“Das machst Du doch nicht, oder?” fragt die Kollegin vorsichtig an. “Was mache ich nicht?” – “Na, so ein Thema wie ‘Category Management’ mit Playmobilfiguren live zu erklären.” Ihre Nasenlöcher vergrößern sich vor lauter Empörung, als sie das fragt. Das mache ich auch so, wenn ich empört bin. Das haben wir also gemeinsam.
“Klar mach’ ich das, so wird es leicht fassbar und verständlich. Ich bin sicher, dass sich jedes Thema mit dem richtigen Playmo-Equipment erklären lässt.” antworte ich schon ein bisschen schnippisch, weil ich merke, dass es mir mal wieder müßig ist, Hardcore-Langweiler mal eben so in der Mittagspause vom Gegenteil zu überzeugen. Sie gibt auf und stochert in ihrem Salat herum. ’Wichtige’ Themen, wie betriebswirtschaftliche Themen des Einzelhandels, die sind bitteschön heilig und langweilig zu vermitteln. Schluss aus!
Ja, macht Ihr man schön, ich mache das anders und probiere immer wieder etwas Neues aus, weil es eben doch geht. Ich wil mich doch auch nicht langweilen. Am letzten Freitag bewiesen: Category Management kann man auch anschaulich vermitteln und genau das haben die Teilnehmerinnen als Feedback gegeben. Dankeschön!
Hier ein paar Beweisfotos:

Erstmal wird der Laden aufgebaut. Hier sehen Sie Thomas Schlenze hinter dem Tresen seines Minilädchens.

Hinter der Backtheke steht Susanne Schlenze. Ursprünglich haben die Schlenzes die Bäckerei einem Dorf mit 2000 Einwohnern betrieben. Seit der Tante-Emma-Laden im Dorf geschlossen und der eigentliche Backbetrieb wirtschaftlich von einer Großbäckerei übernommen wurde, haben die Schlenzes die ehemalige Backstube zum Verkaufsraum gemacht. Der gesamte Laden bietet zwar ein ausreichendes Sortiment für Nahversorger, wirkt aber ganz allgemein etwas chaotisch und provisorisch.

Tanja Bernhard, eine Freundin von Susanne Schlenze darf einen kleinen Blumentisch betreiben. Es ist nicht sicher, ob es nach einer Umgestaltung noch Platz für diese Warengruppe gibt.

Natürlich hat das Thema auch mit Lieferanten zu tun. Stellvertretend hier mit dem einzigen Auto dargestellt, das sich in unserem Fundus befindet. Immerhin hat der Fahrer ein Handy in der Hand…

Die Ware müsste noch einsortiert werden, aber möglicherweise ergeben sich ja gleich ein paar Änderungen?!

Ein paar Kunden haben sich auch schon vor dem Laden eingefunden. Sie scharren mit den Füßen und hoffen, dass die Schlenzes gleich mal den Laden öffnen.

Allen voran Opa Schneider, der immer alles besser weiß und immer der erste Kunde an der Tür ist. Man erträgt seine motzige Art geduldig-freundlich, weil er jeden Tag etwas kauft. So ist das eben im Handel.

Der Category-Manager hat schon mal seinen Platz eingenommen. Er hat noch keine Aufgabe in diesem Projekt, aber wenigstens schon mal eine Tasse Kaffee. Gut, er könnte in der Zeit auch mal seinen Schreibtisch aufräumen…

…vielleicht checkt er besser schon mal seine Mails. Nachher wird er keine Zeit mehr haben.

Ich klebe den gesamten Kreislauf auf dem Tisch auf. In einem leeren Raum habe ich sechs Tische zusammengeschoben, so dass wir alles auf einen Blick vorfinden und auch an den einzelnen Stationen arbeiten können.

Hier erfolgt später die Analyse der Warengruppen. Es liegen Klebezettel und Stifte dafür bereit.

Dann müssen Ziele festgelegt werden.

Platz für Strategien und …

Taktiken.

Dann werden die Teilnehmerinnen als Unternehmensberater aktiv.

Die Teilnehmerinnen sortieren die vorhandenen Warengruppen zu. Sehr gute Diskussion übrigens. Die Prüfung ist branchenübergreifend, also ist es notwendig, auch mal andere Branchen kennenzulernen.




Stärken und Schwächen werden diskutiert und stichwortartig aufgeschrieben.

Die Ziele müssten noch mal konkretisiert werden.

Weitere Auswertung.

Die Diskussionen werden sehr “kreativ” und teuer, ich beschließe sicherheitshalber noch mal zwei wichtige Hinweise anzufügen.

Nachdem alle Punkte besprochen sind, beschließen die Teilnehmerinnen auch noch den intensiven Umbau des Geschäfts. Ich beschließe sicherheitshalber schon mal den Mystery-Shopper einzusetzen, um die umgesetzten Maßnahmen zu kontrollieren.

Nachdem sich die Teilnehmerinnen vom Lachflash erholt haben, schließe ich das Thema ab.
Fazit: Ich werde es wieder tun. Die Rückmeldung zusammengefasst: “Es war verständlich, einfach, nachvollziehbar und voll süß!” – Negativ: “Frau Dirks, Sie müssten bitte einen Espresso- oder Kaffeeautomaten beschaffen, sonst ist das nicht realistisch, schließlich hat mittlerweile jede Bäckerei ein Stehcafé oder Coffee to go.” – Ja, nee alles klar, wenn das alles ist. Werde das sofort recherchieren.